13.10.2016

Nun ist der gute Jesper schon seit drei Tagen wieder zuhause. Echt verblüffend, dass er nur rund 60 Stunden nach einer Operation an beiden Knien das Krankenhaus auf eigenen Beinen wieder verlassen konnte. Er setzte zwar nur sehr langsam und in kleinsten Schritten einen Fuß vor den anderen aber immerhin. Seitdem wird es von Tag zu Tag besser. Er kann mittlerweile alleine aufstehen und zur Toilette gehen und das Wichtigste für ihn ist natürlich, dass er am Computer sitzen und Minecraft spielen kann. Da ja nun mal Ferien sind und er eh nicht draußen herum laufen kann, haben wir die Regeln einigermaßen gelockert und lassen ihn nun auch mal mehrere Stunden am Tag zocken. Es kommen schließlich auch wieder andere Zeiten.

Gestern hatte dann unser Megane Kombi seinen ersten IKEA-Einsatz. Inkkis Schwester benötigte noch einigen Krempel zur Ersteinrichtung ihrer Düsseldorfer Wohnung und es war schon ein schönes Gefühl, dass wir hier nun mal mit einem fahrbaren Untersatz aushelfen konnten nachdem wir zuvor jahrelang selbst immer Empfänger solcher mildtätigen Dienstleistungen waren. In den Wagen passt schon ganz schön was rein und ich bin sicher, dass er uns im Sommer 2017 gut mit Mann und Maus in den Urlaub bringen wird. Wir liebäugeln momentan mit Slowenien als Reiseziel, was allerdings eine Fahrtzeit von gut 10 Stunden bedeuten würde. In dem Fall würden wir also wohl einen Zwischenstopp mit Übernachtung in Bayern einschieben. Aber ganz so weit sind wir ja noch nicht…

A day at the races

Wenn ich es mal grob überschlage, ist es wohl ungefähr ein Vierteljahrhundert her, dass ich erstmals einen Renntag auf der Galopprennbahn in Grafenberg besucht habe. Die Atmosphäre und das Publikum dort haben mich von Anfang an begeistert. Damit meine ich weniger die ebenso gut behüteten wie betuchten Damen, die dort von ihren Herrchen Gassi geführt werden als vielmehr die zerknautschten Rentner die sich vornehmlich im Wettgebäude unter der alten Tribüne einfinden. Da werden die Rennen analysiert und auf Jockeys und Trainer geschimpft. Ich hielt es anfangs für eine gute Idee, auf die Wettzeitungen der Opis zu schielen um mich an den kryptischen Notizen der Veteranen zu orientieren und todsichere Tipps abzugreifen. Es stellte sich aber bald heraus, dass die letztlich auch nicht viel besser wetten als unbedarfte Neulinge, deren Tipps in erster Linie von den Namen oder dem Aussehen der Rennpferde inspiriert sind. Große Summen habe ich nie gesetzt. Konnte ich mir nie leisten und irgendwie hatte ich auch immer einen gewissen Respekt vor dem Sog, der einen bei der ganzen Wetterei erfassen kann. Ein vergnüglicher Zeitvertreib für ansonsten ereignislose Sonntagnachmittage ist der Galoppsport aber immer für mich geblieben. Glücklicherweise hat meine frühere Freundin und Verlobte ebenso viel Spaß an der Sache entwickelt wie ich und mittlerweile sind auch die Kinder engagiert dabei, wie ich gestern feststellen konnte.

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Die Tochter war direkt beigeistert als es hieß: Wir gehen heute zum Pferderennen! Sohnemann hielt das für eine komplett bescheuerte Idee und kündigte an, nur unter Protest und mit garantiert schlechter Laune mitzukommen. Da schwang natürlich nicht nur unterschwellig die Drohung mit, uns den Nachmittag zu versauen. Es kam dann aber doch ganz anders. Die Kinder hatten schnell verstanden, dass man sich beim Platzieren der Wetten weniger an klangvollen Pferdenamen als viel mehr an den zu erwartenden Siegquoten orientieren sollte. „Papa, setz für mich auf das Pferd mit der dritthöchsten Quote!“ rief so also mein junges Fräulein von der Hüpfburg aus zu mir herüber. So gewann sie also zunächst eine Siegwette und kurz darauf tat  der Sohnemann es ihr gleich. Nach diesem unerwarteten Triumph hatte er sich auch schnell eine Strategie parat gelegt. „Der Jockey ist doch scheinbar gut drauf. In den nächsten Rennen setze ich einfach auf die Pferde, die der reitet.“ Tja, was soll ich sagen? Er lag damit ganz gut und gewann noch bei zwei weiteren Rennen. Somit hatte er sich innerhalb weniger Stunden fast ein komplettes Monatstaschengeld erspielt und vom angekündigten Stimmungsboykott war plötzlich keine Rede mehr. Die Gattin lag auch mal richtig, nur bei mir wollte nichts klappen. Die Strategie, auf Außenseiter mit ca. 100:10 Eventualquote zu setzen, ging ebenso wenig auf wie das Aushecken kombinierter Dreierwetten.

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In einer der Rennpausen nahmen wir dann noch an einer kleinen Führung über die Anlage teil, die zwar eher unspektakulär war, uns aber die Möglichkeit bot, mal den Führring und das Wiegehaus zu betreten. Es war schon spannend, den Jockeys ganz nahe zu kommen. Das sind wirklich ziemlich ausgemergelte Männchen, die bei einer Körpergröße von 1,60 bis 1,70m so um die 55 Kilo auf die Waage bringen. Von dieser Spezies gibt es übrigens nur 56 Stück in Deutschland. Dass es weniger Jockeys als Call Center Agenten gibt hatte ich mir ja schon gedacht, aber so wenige?

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10 Jahre Bloggerei!

Es ist genau zehn Jahre her, dass ich erstmals gebloggt habe! Ich war nie ein Tagebuchschreiber aber die Möglichkeiten eines Blogs fand ich faszinierend. Man konnte problemlos auf interessante Fundstellen im Netz verweisen und man konnte mit wenigen Klicks Fotos veröffentlichen. Wahnsinn! An Videos war noch nicht so richtig zu denken. Wir hatten damals eine Hi8-Kamera. Mit einigem technischen Aufwand konnte man deren Filme auf den Rechner transferieren, das war aber mühevoll und zeitraubend. Vom Hochladen auf die gerade gestartete Plattform Youtube ganz zu schweigen. Absurderweise habe ich meine ersten beiden Postings tatsächlich in Englisch verfasst. Ich habe keinen Schimmer mehr, wie ich auf diese Idee gekommen bin. Vermutlich damit meine nicht-deutschsprachigen Freunde auch was davon haben.

Was waren das damals noch für sorglose Zeiten. Bedenkenlos postete ich irgendwelche Fotos aus dem Netz, die große Zeit der Abmahnanwälte hatte noch nicht begonnen. Erst Jahre später habe ich dann in einer mehrstündigen Aufräumaktion sämtliche Fremdbilder gelöscht. Auch lebte ich schon die Ära der Post-Privacy, Jahre bevor der Begriff überhaupt auftauchte. Familienfotos und Urlaubsberichte fanden hier immer ihren Platz. Das hatte keine exhibitionistischen sondern vielmehr soziale Gründe, konnten so doch unseren zahlreichen Freunde und Verwandten in Finnland am Aufwachsen der Kinder und Ergrauen des Vaters teilhaben. Daraus resultierte auch der Name des Blogs „Düsseldorfin Sanomat“, was nichts anderes als „Nachrichten aus Düsseldorf“ heißt. Nachdem ich das „Düsseldorfin“ aus dem Blogtitel strich, wies mich ein Schulfreund und heutiger Berufspolitiker übrigens darauf hin, dass der neue Name evtl. einen Rechtsstreit mit der Vaihinger Schlagsahne-Automaten GmbH heraufbeschwören könnte weil deren Vorzeigeprodukt eben Sanomat hieß. Ich glaube, das war doch ein leicht abseitiges Szenario.

Bis Ende 2009 betrieb ich das Blog…HALT! Die Frage aller Fragen. Heißt es jetzt das Blog oder der Blog? Damals war es in der Bloggeria Konsens, dass nur das richtig sein könne. Also hielt ich mich daran obwohl ich eigentlich immer viel lieber der Blog gesagt hätte.

Bis Ende 2009 betrieb ich den…äh…das Blog mit einigem Eifer und heute sehe ich, dass das Sinn gemacht hat. Es macht schon großen Spaß nach so langer Zeit durch die ganzen Postings zu spazieren und zu sehen, was mich damals so umtrieb. Irgendwann, genauer gesagt tatsächlich im Jahr 2009, beschäftigten mich dann aber piratige Themen wie Datenschutz und digitales Selbstbestimmungsrecht so sehr, dass ich nicht mehr jede private Begebenheit im Netz verbloggt sehen wollte. In Ermangelung anderer Themen, verkümmerte dieses Blog also. Außerdem schwang ich mich just zu dieser Zeit zum passionierten Twitterer auf. Dann kam auch noch diese und jene Podcasterei dazu und schließlich die Instagrammerei. Irgendwie fehlte mir die Schreiberei aber doch und so nahm ich Anfang 2013 einen neuen Anlauf. Allzu Privates blieb außen vor, was dann aber folgerichtig auch in die Belanglosigkeit führte. Ob und wie und in welcher Regelmäßigkeit es hier weiter gehen wird, kann und will ich nicht sagen. Ich halte es da ganz mit Pfarrer Nolte. Denn Pfarrer Nolte tat bekanntlich stets nur was er wollte. Amen.

Zehn Sommer: 1990

Italien 08.06. – 08.07.1990

Das war meine WM! Mauerfall und Wiedervereinigung waren lahme Randerscheinungen. Ich habe das Turnier so richtig in mich aufgesogen und war vier Wochen lang kaum ansprechbar. Schon das Eröffnungsspiel hat mich völlig in seinen Bann gezogen. Der amtierende Weltmeister Argentinien trat mit dem Überstar Maradona gegen Kamerun an. Kamerun war drei Monate vorher beim Afrikacup bereits in der Vorrunde ausgeschieden. Bei ihrer ersten WM Teilnahme 1982 haben sie zwar schon mal aufhorchen lassen, als sie ohne Niederlage ausschieden, aber für das erste Match der WM 1990 war ihnen trotzdem nicht mehr als die Statistenrolle zugedacht.

Mit großem Willen und einiger mitunter übertriebener Härte bezwangen sie aber den Weltmeister und die Medien drehten durch. Im weiteren Verlauf des Turniers wurde der ganze Erfolg Kameruns an Roger Milla festgemacht, der alle faszinierte. Ständig wurde die Geschichte wiederholt, der Staatspräsident Kameruns persönlich hätte seine Nominierung erzwungen und man wisse gar nicht so genau wie alt er eigentlich wäre. Im Nachhinein betrachtet hatte das alles auch eine nicht zu unterschätzende rassistische Note. Die Kameruner flogen dann erst im Viertelfinale unglücklich gegen England raus und die Fußballwelt war sich einig, dass man sich schon recht bald auf einen afrikanischen Weltmeister einstellen müsse. Tja, so kann man sich irren.

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Den großartigen Roger Milla habe ich dann 2007 am Rande des BV 04 Osterturniers getroffen und ihm für die tollen Auftritte 1990 gedankt.

Die deutsche Mannschaft konnte mal mehr (JUG, NED) mal weniger (COL, TCH)  glänzen und stand zum dritten mal in Folge im Halbfinale. Am Morgen vor dem großen Spiel gegen England klingelte es und ein Paketbote schleppte zwei große Kartons und zwei Kisten Bier an. Ich konnte mir da zunächst gar keinen Reim drauf machen, erst das Begleitschreiben machte mich schlauer. Ich hatte bei einem Preisausschreiben gewonnen! So wurde ich also mit 40 Flaschen König Pilsener nebst KöPi-Merchandise und zwei Kartons voll mit diversen Leckereien aus dem Hause Funny Frisch beschenkt. Über einen Sportwagen oder ein Traumhaus hätte ich mich kaum mehr freuen können!

Pünktlich zum Final-Wochenende entschwand der Rest meiner Familie zum Urlaub an die Ostsee und so kam es, dass ich zum Endspiel sturmfreie Bude hatte. Da ich aber vorhatte, die Wohnung in etwa in dem Zustand wieder in die elterlichen Hände zu übergeben, in dem ich sie übernommen hatte, verzichtete ich auf weitläufigere Einladungen. Nur Freund Bernhard hatte sich einfach mal selbst eingeladen. Er interessierte sich zwar eigentlich nicht besonders für Fußball, nahm aber gerne jede Gelegenheit wahr um in epischer Breite über neue Filme oder Platten zu referieren. Wir wollten den Abend italienisch begehen und holten uns darum eine Pizza von Romagna auf der Rossstraße (Spinat mit doppelt Käse!) und eine Flasche Rotwein. Das Endspiel war eigentlich fürchterlich langweilig und von mieser Qualität. Als Andreas Brehme dann aber neun Minuten vor Schluss den Elfmeter versenkt hatte, war das schnell vergessen. Wir schnappten uns unsere Fahrräder und fuhren zur Heinrich-Heine-Alle um uns das bunte Treiben dort anzuschauen.  Bernhard fand das alles schrecklich prollig und peinlich und nach 24 Jahren muss ich ihm endlich zustimmen. Zumal es ja noch viel schlimmer wurde. Das Bild des vollgepissten Deutschen im Trikot, der den Arm zum Hitlergruß erhebt, ist ja geradezu ikonisch geworden. Franz Beckenbauer erklärte die zukünftige großdeutsche Nationalmannschaft für unbesiegbar und nicht viel später brannten Asylantenheime. Vielleicht hätten wir das Endspiel doch lieber verlieren sollen.