E3 2013 oder: Die Klappse feiert Hochamt

Was dem Fußballfan seine WM und dem Schlagerfan sein ESC, ist dem Gamer die E3. Nachdem diese Veranstaltung in den letzten Jahren eher unspektakulär war, hat sie dieses Jahr einigermaßen hohe Wellen geschlagen. Kein Wunder, immerhin stellten Microsoft und Sony ihre nächste Konsolengeneration nebst zu erwartenden Spielen vor. Am Montag fanden die sog. Pressekonferenzen der beiden Big Player statt, die letztlich aber weniger mit einer üblichen PK als vielmehr mit der Jahreshauptversammlung der Avon-Beraterinnen zu tun haben. Das Echo auf diese beiden Events war gewaltig und man muss an der einen oder anderen Stelle doch an der Vernunftbegabtheit des Gamers im Allgemeinen zweifeln.

Meine Twitter-Timeline ist am Dienstagmorgen förmlich durchgedreht. Am frühen Montagabend war die Welt noch in Ordnung. Microsoft hat das Spiele-lineup seiner umstrittenen Xbox One präsentiert und sich wirklich redlich bemüht, die Hardcore Gamer zufrieden zu stellen. Es wurden spektakuläre Exklusiv-Titel im Minutentakt präsentiert und bis auf die notorischen Nörgler (die in Gamerkreisen aber locker 50% ausmachen) waren eigentlich alle einigermaßen zufrieden bis begeistert. Einige Stunden später, zu nachtschlafender Zeit in Deutschland, legte Sony dann  nach. Man bekam erstmals die Konsole selber zu Gesicht und angesichts des erschreckend billig wirkenden Designs war das versammelte Auditorium für kurze Zeit sprachlos. Aber auch bei Sony gab es anschließend tolle Titel zu bestaunen, die man nur auf der PlayStation 4 zu sehen bekommen wird. So weit, so unentschieden. Dann kamen die wenigen Sätze, die die Stampede in Bewegung setzten.

„Spiele können verliehen und verkauft werden. Es gibt keinen Onlinezwang für die Konsole und die PS4 wird 100$/€ weniger kosten als die Xbox One.“

Bis dato waren die ersten beiden Punkte Selbstverständlichkeiten. Dass das nun anders wahrgenommen wird, muss man einzig und alleine Microsoft mit ihren absurden Plänen anlasten. Man kann das alles diskutieren und ich kann jeden bisherigen Xboxler verstehen, der sich mit dem Gedanken trägt, auf eine Sony-Konsole umzusteigen. Aber muss man direkt durchdrehen? Muss man direkt bei Amazon auf „Zur Kasse gehen“ klicken und das umgehend  in die Welt hinaus blasen? Muss man in blumigsten Metaphern davon sprechen, Sony hätte Microsoft zertrümmert? Das ist alles so absurd. Da gab es wirklich Spezialisten, die um 19.00 Uhr noch mitteilten wie froh sie wären, mit der Xbox One aufs richtige Pferd gesetzt zu haben und 12 Stunden später kundtaten, nun doch lieber eine PS4 geordert zu haben. Kippt euch mal ne Karaffe kalten Wassers in den Schritt und werdet wieder klar im Kopf!

Meine Taktik steht fest. Ich bin mit meiner Xbox 360 noch immer bestens bedient. Ich habe noch einen Stapel an beinahe ungespielten Games auf Vorrat, der ein dreihjähriges Kind überragt und wie immer zum Ende eines Konsolenzyklus stehen die besten Spiele erst noch bevor. Wenn ich dann irgendwann mal GTA V und Watchdogs durchgespielt habe, hat sich der ganze aufgewirbelte Staub längst wieder gelegt, die erste Preisreduzierung wird da sein und ich werde sehen inwieweit Microsoft zurückgerudert sein wird oder eben nicht. Altersweisheit möchte ich das mal nennen.

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