Vår sång för Malmö

Nach vielen Jahren missglückter Direktnominierungen und ermüdender Casting-Shows gibt es heute endlich mal wieder einen klassischen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. Der ESC war schon immer Thema in meinem Blog, was diejenigen, die meinen sonstigen Musikgeschmack kennen auch stets etwas irritiert hat. Ich verweise auf mein Posting aus dem Jahr 2005. (Gruß im Geiste an den damaligen Kommentator Yanny, der mittlerweile verstorben ist.)

Nun wird also der Song für Malmö gesucht. 12 Teilnehmer gibt es , für Abwechslung ist gesorgt. Ich liste an dieser Stelle mal meine Einschätzungen und Tipps auf, auf dass man dann morgen meinen prophetischen Fähigkeiten huldige. Die Reihenfolge entspricht in etwa meinen persönlichen Vorlieben, beginnend bei unerträglich bis hin zu yeah!

Cascada: Glorious

Dass es sich hier um ein seelenloses Rummelplatz-Bumm-Bumm handelt ist noch gar nicht das Erschreckendste. Richtig peinlich ist dieses tumbe Kopieren des Siegertitels 2012 von Loreen. Sollten wir mit diesem Titel antreten, wäre Fremdschämen galore angesagt. Bildungsferne Schichten aus den Großstädten und die regelmäßigen Besucher von Feuerwehrbällen werden es trotzdem nach oben spülen. Tipp: Platz 4

Nica & Joe: Elevated

Ich muss immerhin gestehen, dass dieser Titel auf der großen ESC-Bühne einigermaßen funktionieren könnte. Im Gegensatz zum sonstigen Oeuvre der beiden hat man hier das penetrante Geknödel von Joe etwas in den Hintergrund gedrängt. Ich finde es trotzdem gruselig. Der unbedarfte Zuschauer, der den ESC immer noch Grand Prix nennt, wird es aber vermutlich mögen. Tipp: Platz 6

Die Priester & Mojca Erdmann: Meerstern, sei gegrüßt

Hier noch ein letzter Beitrag aus der Kategorie fürchterlich. Der Hinweis, dass es sich bei den Priestern um echte Priester handelt darf bei keiner Vorstellung fehlen. Der darauf, dass dieses Lied auf einem jahrhunderte alten Stück basiert, auch nicht. Hätten wir also hiermit erledigt. Wer Rondo Veneziano für Klassische Musik hielt, dem man kann man diesen Mist wohl auch als Sakrales Meisterwerk unterjubeln. Die katholischen Dorffrauen Verbände werden es nicht im Stich lassen. Tipp: Platz 7

Finn Martin: Change

Finn Martin — Change – MyVideo

Jetzt sind wir im breiten Mittelfeld angelangt, in dem sich Lieder finden, die keinem weh tun, die aber im großen ESC-Teilnehmerfeld völlig untergehen würden. Belangloses Radiogedudel. Kann man sich anhören, muss man aber nicht unbedingt. Das wird sich in der Show heute Abend auch total versenden. Tipp: Platz 11

Mobilée: Little Sister

Der Titelsong irgendeines deutschen Teenie-Vampir-Films. Mehr Information bedarf es hier wohl nicht. >|SKIP Tipp: Platz 8

Söhne Mannheims: One Love

Ist jetzt gar nicht ganz so schlimm. Vorausgesetzt man kann Auto-Tune ertragen. Vielleicht ein wenig zu Reggae-lastig für den ESC. Das kam da noch nie gut an. Erinnert sich noch jemand an Reggae ok aus Finnland? Heute Abend wird es sich aber mit Sicherheit hervorragend schlagen. Der Name Söhne Mannheims wird ziehen und die ARD hat es mittels einer sog. Auslosung auch geschafft, dem Zugpferd der gesamten Show den besten Startplatz zuzuschanzen. Tipp: Platz 1

Saint Lu: Craving

Eine markante Stimme hat sie ja, die Luis Gruber aus Österreich. Könnte man sich fast in einem Bond-Song vorstellen. Craving finde ich jetzt zu unspektakulär um in Malmö erfolgreich sein zu können. Blamieren würden wir uns immerhin nicht damit. Tipp: Platz 10

Mia Diekow: Lieblingslied

Süßes Mädel (darf man das heuzutage noch schreiben?), die selbstbewusst und gar nicht püppchenhaft rüberkommt. Dazu ein Song, der in seiner Verspieltheit an Satellite erinnert. Hat da jemand Lena gesagt? Die Jury wird diesen Song vermutlich etwas pushen. Tipp: Platz 5

Betty Dittrich: LaLaLa

Gegen den Songtitel LaLaLa ist zunächst mal nichts zu sagen. Gab es sogar schon mal als Sieger 1968. Da sind wir aber auch schon bei meinem Problem mit diesem Song. Das ganze Konzept ist derart verkrampft auf retro ausgelegt, dass es zu gewollt wirkt. Im Übrigen sollte man mit seinem ESC-Beitrag auch irgendwie die aktuelle Musikszene seines Landes widerspiegeln. Dass solche Schlagerliedchen aber heute en vogue wären habe ich nicht mitbekommen. Ich fürchte aber, dass wir es hier mit dem Überraschungstitel des Abends z u tun haben. Tipp: Platz 3

Blitzkids mvt.: Heart On The Line

Das klingt doch schon viel zeitgemäßer! Blitzkids mvt. legen großen Wert auf die Optik und einen durchgestylten Auftritt. Das käme international vermutlich sogar ganz gut an, wird aber heute Abend leider nicht den Hauch einer Chance haben. Tipp: Platz 12

LaBrassBanda: Nackert

Ist Deutschland bereit für nackertes Geblase im Dialekt? Schön wäre es. Die Jungs würden jedenfalls ordentlich Schwung in die Bude bringen. Kann allerdings sein, dass sie bei den täglichen Pressekonferenzen in Malmö besser abschneiden würde als letztlich auf der großen Bühne. Einen Versuch wäre es aber mal wert. Tipp: Platz 2

Ben Ivory: The Righteous Ones

Das hat nun eigentlich alles um beim ESC um die Top 5 mitzukämpfen. Power, Style und einen Interpreten, der unheimlich viel zu bieten hat. Er hat mit 13 Jahren einen Gedichtband veröffentlicht, ist in der Berliner Modeszene ebenso zuhause wie in avantgardistischen Musikkreisen. Schon etwas spannender als eine Frau Horler von Cascada die erzählen kann, dass sie mal neben Dieter Bohlen gesessen hat. Letztlich sind das aber alles auch Argumente, die dafür sprechen, dass Ben Ivory keine Chance hat. Man wird sich aber sicher noch lange an einen spektakulären Auftritt und den Beginn einer mindestens respektablen Karriere erinnern. Tipp: Platz 9

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